Route und Etappen

Insgesamt sind wir circa 8500 km geradelt, davon etwa 3000 km in Kanada und den Rest in den USA. Anfangs waren die Tagesetappen etwa 60 km lang, später sind wir im Schnitt 80 km am Tag gefahren. In der Regel haben wir alle 7 bis 10 Tage ein oder mehrere Ruhetage eingelegt.

Die gesamte Fahrt von Halifax bis nach Pueblo, Colorado war mehr oder weniger flach, danach gab es zahlreiche Steigungen zu überwinden. Zuerst die Rocky Mountains mit dem höchsten Pass unserer Fahrt, dem Monarch Pass mit 3448 m. Dann die Berge in Utah und Nevada und letztendlich die Sierra Nevada in Kalifornien.

 

Eine grobe Übersicht über unseren Reiseverlauf von der Ostküste Kanadas an die US-Westküste:


Nova Scotia: Truro - Wentworth - Amherst.

New Brunswick: Moncton - Fredericton - Dumfries - Woodstock - Perth Andover - Grand Falls - Edmundston.

Québec: Témiscouata-sur-le-Lac, Notre-Dame-Du-Portage, La Pocatière, Montmagny, Québec City, Trois-Rivière, Lanoraie, Montréal, St. Jérôme, St-Agathe-des-Monts, Labelle, Lac Saguay, Mont-Laurier, Grand-Remous, Le Domaine, Val d'Or, Malartic, Rouyn-Noranda, Arntfield, Angliers, Ville-Marie, Temiskaming.

Ontario: Redbridge, West Nipissing, Sudbury. Zug von Sudbury nach Toronto. Grand Valley, Moorefield, Goderich, Camlachie.

Michigan: Marine City, Detroit, Tecumseh.

Ohio: Fayette.

Indiana: Fort Wayne, Salamonie Reservoir, Logansport, Lafayette.

Illinois: Henning, Champaign, Decatur, Raymond.

Missouri: St. Louis, Augusta, Hermann, Hartsburg, Boonville, Sedalia, Clinton.

Kansas: Garnett, Yates Center, Eureka, Cassoday, Newton, Sterling, Larned, Ness City, Dighton, Scott City, Tribune, Eads. Colorado: Ordway, Pueblo, Westcliffe, Salida, Monarch Pass, Gunnison, Cimarron, Ridgeway, Placerville, Lizardhead Pass, Dolores. Utah: Monticello, Natural Bridges Monument, Glen Canyon, Hanksville, Fruita/Capitol Reef, Grover, Escalante, Tropic, Lake Panguitch, Cedar City, Milford.

Nevada: Sacramento Pass, Ely, Illipah Reservoir, Eureka, Austin, Railroad Pass, Middlegate Station, Fallon, Dayton, Carson City. Kalifornien: Woodfords, Placerville, Sacramento, Oakland, San Francisco 

Karten und Fahrradwege

Wie am Ende unser Reiseverlauf aussehen würde, hätten wir am Anfang so nicht erwartet. Der ursprünglich Plan war ein ganz anderer: auf dem Trans Canada Trail von Ost nach West durch Kanada und dann entlang der Westküste nach San Francisco.

 

Highways Kanada

Da wir recht früh im Jahr und dazu noch am Ende eines Jahrhundertwinters im eher kälteren Osten gestartet sind, hat sich schnell herausgestellt, dass der Trans Canada Trail (noch) nicht befahrbar ist. Einige Leute auf dem Weg haben uns auch generell davon abgeraten, da es eher ein Wegenetz für Mountainbiker und Wanderer ist und nicht geeignet für beladene Tourenfahrer. Also haben wir uns in Nova Scotia, New Brunswick und Québec an die Autobahnen und Überlandstrassen gehalten.

In Nova Scotia und New Brunswick ist das Fahrradfahren auf den Highways erlaubt und kein Problem. Die Seitenstreifen sind sehr grosszügig, die Strassen allgemein nicht so dicht befahren. Und man kann sicher sein, regelmässig bei einem Tim Hortons vorbeizukommen. In Québec ist es anders. Dort sind Fahrräder auf dem Highway verboten. Da wir aber über eine kurze Strecke keine andere Wahl hatten, sind wir trotzdem auf dem Highway gefahren. Es sind ein paar Polizisten an uns vorbeigefahren, aber anscheinend hatten sie nichts dagegen.

 

Route Verte in Québec

Mal abgesehen von dem oben genannten Stückchen auf dem Highway, gibt es in Québec gute Alternativrouten entlang der Überlandstrassen. Ausserdem gibt es das Radroutennetz Route Verte, das zahlreiche Routen und Fahrradwege durch Québec anbietet. Karten dazu gibt es unter anderem in Fahrradläden. Viele der Routen führen leider auf den häufig dicht befahrenen Strassen, es gibt aber auch einige sehr schöne Fahrradwege. Um näher an der Natur und der Wildnis zu sein, sind wir auf der Route Verte Nr. 2 einen Abstecher in das Wildreservat La Verendrye und die Region Abitibi-Témiscamingue gefahren. Ein Teil dieser Strecke ist der bekannte und beliebte "P'tit Train du Nord", eine zum Rad- und Wanderweg umgebaute, 200km lange, ehemalige Eisenbahnlinie. Er hat uns von kurz hinter Montréal bis nach Mont-Laurier gebracht, hat uns durch idyllische Wälder und Seenlandschaften geführt und war auf jeden Fall einen Umweg wert.

Leider ist Québec die einzige Provinz mit einem Radroutennetz. Im übrigen Kanada gibt es meistens nur kurze, lokale Fahrradwege, wie z.B. der Waterfront Trail in Toronto, die sich aber nicht für Überlandtouren eignen.

 

Highways USA

Auch in den USA lässt es sich gut auf den Highways fahren, nur auf den Interstates ist Fahrradfahren verboten. Von Detroit, Michigan nach St. Louis, Missouri haben wir unsere Route anhand von normalen Auto-Strassenkarten oder mit den Fahrradstrecken von Google-Maps geplant. Das hat ganz gut funktioniert, da in den USA die Strassen in einer Gitterstruktur verlaufen. Man kann sich recht einfach orientieren und zur Not auch auf eine Parallelstrasse ausweichen.

 

The Katy Trail

Kurz hinter St. Louis sind wir auf dem Katy Trail weitergefahren, ein etwa 400 km langer Radweg auf der Trasse der ehemaligen MKT-Eisenbahnlinie. Da uns viel vorgeschwärmt wurde von diesem perfekten Weg haben wir unsere Gesamtroute passend dazu geplant. Der Katy Trail ist ein Paradies für Tourenfahrer. Keine Steigung, ruhige, glatte Wege durch schattige Wälder und entlang des Ufers des Missouri. Alle paar Kilometer gibt es eine Station mit Trinkwasser und Info-Tafeln, die über Einkaufsläden, Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants informieren. Dort gibt es ausserdem gratis Karten für den gesamten Katy Trail. Es mangelt nicht an Übernachtungs- und Essensmöglichkeiten, es gibt schöne Plätze zum Campen und günstige Motels. Und der Trail ist wirklich traumhaft, kein motorisierter Verkehr, dafür viel Natur. Zudem ist es praktisch unmöglich, sich zu verfahren.

 

Adventure Cycling Association: Trans America Trail und Western Express

Einer unserer Entscheidungsgründe, warum wir die Tour an die Westküste in den USA fortgesetzt haben, ist das Radrouten-Netz der amerikanischen Adventure Cycling Association (ACA), das sich über circa 65.000 Kilometer erstreckt. Dazu gibt es von ACA äusserst praktische, d.h. leichte und wasserfeste Fahrradkarten mit nützlichen Infos wie gratis Campingplätzen und anderen Übernachtungsmöglichkeiten, Lebensmittelläden und Fahrradwerkstätten auf der Route. Die Karten kann man direkt auf der Website der Adventure Cycling Association bestellen.

 

Nachdem wir im Westen Missouris das Ende des Katy Trails erreicht hatten, haben wir ein paar Hundert Kilometer mit einer Strassenkarte überbrückt und sind dann in Kansas auf den Trans America Trail der ACA gestossen. Der Trans America Trail ist sehr populär und schon am ersten Tag haben wir dort gleich eine ganze Menge Tourenfahrer getroffen - nachdem wir monatelang wirklich überhaupt niemanden auf dem Fahrrad gesehen haben! Dementsprechend ist die Infrastruktur auf Fahrradfahrer ausgelegt, es gibt viele kostenlose Campingplätze, viele Cafés, einige Fahrradläden und vor allem viele, freundliche Autofahrer, die an Radler gewöhnt sind.

Ab Pueblo, Colorado beginnt die Route Western Express von der ACA. Der Western Express war weniger überfüllt mit Tourenfahrern, aber ab und zu haben wir Fahrradreisende getroffen. Vor allem hier haben uns die Karten von ACA wertvolle Dienste geleistet. Die Routenführung ist gut überlegt und vermeidet, wenn möglich, dicht befahrene Strassen oder zu steile Pässe. Die Infos zu Versorgungsmöglichkeiten waren vor allem in Utah und Nevada extrem hilfreich, da es dort Strecken zwischen 60 und 130 Kilometern ohne Wasser und Nahrungsmittel gibt.